Wer in den letzten Wochen einmal auf scheider.cc vorbeigeschaut hat, dem wird etwas aufgefallen sein: Der Onlineshop ist weg. Einfach so. rausgeflogen, wie man bei uns so sagt. Und weil so eine Entscheidung selten ganz erklären sich selbst tut, möchte ich an dieser Stelle einmal in Ruhe erzählen, warum ich das gemacht habe – und was an seine Stelle getreten ist.
Erst einmal: Der Aufwand
Das Naheliegende zuerst. Ein Onlineshop will gepflegt werden. Artikel anlegen, Preise pflegen, Technik aktuell halten, irgendwann mal wieder was umbauen, weil sich irgendeine Schnittstelle geändert hat. Das ist Verwaltung. Und ich bin Fotograf, kein Shopbetreiber. Für ein Angebot in dieser Größenordnung und dieser Art lohnt sich der administrative Aufwand schlicht nicht. Man muss ja auch mal ehrlich bleiben dürfen, wenn etwas sich nicht rechnet – das spart am Ende allen Beteiligten Zeit und Nerven. Das ist keine Resignation, das ist norddeutsche Haushaltung.
Dann: Der Eindruck
Der zweite Grund wiegt für mich schwerer. Ein Onlineshop, so sehr man sich optisch und technisch auch müht, hinterlässt immer einen bestimmten Eindruck: Da gibt es einen Artikel, der hat eine Nummer und einen Preis, und den kann jeder jederzeit anklicken. Das funktioniert wunderbar für Socken, Sonnenbrillen und Schrauben. Aber es funktioniert nicht für das, was ich und die anderen Vertreter der ernsthaften Fotografie machen.
Wir sind, das darf man ruhig einmal laut sagen, sensible Feingeister mit ganz speziellen Ansichten zu dem, was wir da tun. Eine Fotografie ist bei mir kein Artikel. Sie ist ein abgeschlossener Gedanke, ein Moment, eine Entscheidung – entstanden an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit, unter einem bestimmten Licht. Da hilft es niemandem, wenn so etwas zwischen Kaufempfehlungen und Warenkorb-Symbolen steht und wie alles Mögliche aussieht, was man halt so bestellen kann. Das ist es nicht. Massenware ist das Gegenteil von dem, was hier entsteht. (Ich denke dabei auch an den von mir hochgeschätzten Teymur, der für diese Haltung ein ebenso schönes Beispiel ist wie viele andere Kolleginnen und Kollegen, die ihre Arbeiten nicht zwischen Klick und Versand zerreiben lassen.)
Die Kuratierung
Und weil das, was man so fabriziert, einen exklusiven Ort auf der Webseite braucht, um publiziert zu werden, flog der Onlineshop raus und es gibt jetzt eine von mir kuratierte Galerie. Ich betone: kuratiert. Das heißt, dort hängt nicht alles, was irgendwie entstanden ist, sondern das, was ich für ausstellungswürdig halte – mit allen Angaben zu den dort ausgestellten Arbeiten. Was man sieht, wurde ausgewählt. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Es ist der Unterschied zwischen einem Lager und einer Galerie.
Der eigentliche Punkt: Sie
Jetzt kommt aber der wichtigste Teil, und der hat mit Ihnen zu tun.
Wenn Sie sich für eine meiner Arbeiten interessieren, dann möchte ich diesem Interesse mit Wertschätzung begegnen. Das ist mir ernst. Ein Onlineshop kann das nicht leisten. Dort klickt man den Artikel an, der Rest läuft unpersönlich durch: Zahlungsabwicklung, Bestätigungsmail, Versand, fertig. Das mag effizient sein. Es ist nur eben nicht die Art, wie ich mit Menschen umgehen möchte, die sich für meine Arbeit interessieren.
Stattdessen gehe ich mit Ihnen persönlich so um, wie Sie es sich wünschen. Sie interessieren sich für eine Arbeit? Dann sprechen wir darüber. Wir klären, welches Format, welche Rahmung, welcher Ort im Raum, welches Licht dort fällt. Wir nehmen uns die Zeit, die eine gute Entscheidung braucht. Vielleicht ist das altmodisch. Ich nenne es: die Arbeit und den Menschen ernst nehmen. Gegenseitige Wertschätzung und Exklusivität sind mir hier besonders wichtig – und die bekommt man nicht aus dem Warenkorb.
Das Besondere an meiner Arbeit
Und jetzt kommt der Teil, der das Ganze von dem unterscheidet, was man üblicherweise kennt.
Ich biete Interessenten meiner Arbeiten an, meine Fotografien so zu produzieren, dass sie perfekt an den vorgesehenen Platz passen. Größe, Format, Material, Rahmung – all das kann bis zu einem gewissen Punkt angepasst werden. Die Wand über dem Sofa ist eher breit als hoch? Dann bekommt die Arbeit ihr Format. Der Raum verträgt keine Spiegelung? Dann nehmen wir das passende Material. Es ist Ihre Wand, und die Arbeit soll auf ihr bestehen können, nicht umgekehrt.
Einzig mein Motiv und seine Ausarbeitung müssen erhalten bleiben. Das ist keine Verhandlungsmasse, und das ist auch gut so: Was Sie bei mir erwerben, ist ja gerade dieser eine abgeschlossene Gedanke. Alles drum herum aber darf sich nach Ihrem Ambiente richten.
Das ist eine andere als die normale Herangehensweise. Aber hier kommt schlicht meine pragmatische Arbeitsweise „Pro Klient" zum Tragen – wie es auch bei meinen anderen Dienstleistungen im Werbebereich der Fall ist. Wer schon einmal mit mir im Bereich Web, Print oder Marketing gearbeitet hat, kennt das: Die Lösung wird für den Einzelfall gedacht, nicht für den Katalog. Warum sollte es bei meinen Fotografien plötzlich anders sein?
Warum ich das überhaupt tue
Man könnte jetzt fragen: Scheider, warum machst du das Ganze? Die Antwort ist einfach und gehört hierher, weil sie alles erklärt.
Ich möchte über meine fotografische Arbeit mit Menschen in Kontakt treten. Ich möchte wissen, in welchem Ambiente eine Arbeit später hängt – im geschäftlichen Umfeld, in einer Praxis, in einem Büro, im eigenen Wohnraum. Und ich möchte dieses Ambiente bereichern und verschönern. Eine Fotografie, die an der richtigen Wand hängt, verändert einen Raum. Und ein Raum, der verändert wurde, verändert irgendwann auch den Blick der Menschen, die sich darin aufhalten. Das ist ein wunderbarer Nebeneffekt dieser Arbeit, und genau deshalb ist mir der persönliche Weg dabei so wichtig: Wer eine Arbeit von mir erwirbt, soll am Ende nicht nur ein Bild an der Wand haben, sondern die Gewissheit, dass da jemand mitgedacht hat – vor dem Auslöser und danach.
Kurz gesagt
Es gibt also keinen Onlineshop mehr, und es wird auch keinen wieder geben. Es gibt eine kuratierte Galerie auf scheider.cc, es gibt alle Angaben zu den ausgestellten Arbeiten, und es gibt mich. Wenn Sie etwas sehen, das Sie anspricht: Melden Sie sich. Ich bin dann da. So persönlich, wie Sie es möchten.
Das ist kein Verlust an Bequemlichkeit. Das ist ein Gewinn an Haltung.

